Stressverstärker: Sich selbst stressen

Stressverstärker lösen Stressreaktionen aus und verstärken diese zusätzlich noch. Jede Person hat eigene Motive, Einstellungen und Bewertungen. Diese können für eine Verstärkung des Stress-Levels sorgen.

Dieser Artikel behandelt Denkmuster und Werte, die den Stress verstärken. Am Ende folgen Fragen, mit denen du prüfen kannst, ob der Stress bei dir eher von außen oder innen kommt.

Stress entsteht großteils im Kopf

Stressverstärker im Kopf: Sich selbst stressen

Situationen und Anforderungen werden von jedem unterschiedlich wahrgenommen. Jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise der Realität. Die eigene Wahrnehmung ist somit subjektiv. Durch eigene Einstellungen, Erwartungen, Erfahrungen und Meinungen wird so die Wahrnehmung der Welt gefiltert und verzerrt.

Ob Stress entsteht, hängt auch davon ab, ob mehr positive oder negative Dinge wahrgenommen wird. Risiken, Defizite, Sorgen und Grübeleien sind negativ und sind ein Stressverstärker. Hingegen sind Chancen, Stärken und Hoffnungen positiv.

Sich selbst stressen: Eigene Bewertungen

Der eigene Stress kann im Wesentlichen auf zwei Arten verstärkt werden. Zum einen, wenn eigene Motive und Ziele als gefährdet angesehen werden. Zum anderen, wenn die eigenen Fähigkeiten als ungenügend zur Bewältigung der Situation eingestuft werden.

Bei letztgenanntem gibt es zwei Möglichkeiten: Die Anforderungen können wirklich zu hoch sein und die eigenen Möglichkeiten übersteigen. Oder die eigenen Denkmuster sind ein Stressverstärker. Dann wirkt die Situation bedrohlicher, als sie eigentlich ist und es kommt zu einer Stressreaktion.

Stressverstärker: Stressende Denkmuster

Es gibt verschiedene Denkmuster, die den Stress verstärken. Hier sind vier populäre Beispiele:

Realität nicht akzeptieren: Die Realität wird von der Person verleugnet oder gar ausgeblendet. Eine typische Aussage ist: „Das gibt es doch nicht!“ Auch kann es zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität kommen.

Persönlich nehmen: Die betroffene Person nimmt das Verhalten einer anderen Person sehr persönlich. Das kann auch vorkommen, wenn das Verhalten gar nicht als Kritik oder gar als Angriff gemeint war. Dadurch fühlt sie sich angegriffen, beleidigt oder missachtet.

Auf Negatives schauen: Hierbei wird alles Positive ausgeblendet. Die Folge ist, dass die Wahrnehmung der Welt negativ ist. So wird die eigene Wahrnehmung nur auf Probleme, Sorgen, Krisen und Kriege gelenkt. Positive Dinge wie Frieden, Erfolge, Chancen und Hoffnungen werden nicht mehr gesehen.

Negative Auswirkungen ausmalen: Die eigene Aufmerksamkeit wird auf Fehlschläge und deren Auswirkungen gelenkt. Die betroffene Person sieht in vielen Situation eine hohe Wahrscheinlichkeit des Scheiterns. Sie malt sich extrem negative Konsequenzen aus.

Stressverstärker: Stressende Werte

Neben bestimmten Denkmustern können auch eigene Werte zum Stressverstärker werden. Dazu gehören Leistung, Beliebtheit, Unabhängigkeit und Kontrolle. Diese Werte an sich sind völlig Okay. Sie sind bei jedem von uns vorhanden, aber unterschiedlich stark ausgeprägt.

Jedoch steigt die Anfälligkeit für Stress, wenn die Werte zum Zwang werden. Die Balance ist somit entscheidend. Bei einer zu starken Übertreibung der Werte kann es zu Überforderung, Erschöpfung und Arbeitssucht kommen. Auch ein Burnout und andere Erkrankungen sind möglich.

Gut zu erkennen sind stressende Werte an der Formulieren „Ich muss …“. Damit werden die Werte zum Zwang erhoben. Wenn ein Wert als bedrohen angesehen wird, kommt es automatisch zu Unzufriedenheit und Stress.

Häufig auftretende Werte

Leistung und Perfektion: Der Betroffene will alles perfekt machen. Dabei definiert sie oder er sich durch die erbrachte Leistung. Problematisch ist es vor allem, wenn der Zwang nach Leistung und Perfektion auf andere Lebensbereiche wie die Freizeit übertragen wird. Mögliche Aussagen sind „Ich muss perfekt sein“ oder „Ich muss Leistung bringen“.

Beliebtheit: Die betroffene Person möchte es allen Recht machen. Sie hat eine übergroße Hilfsbereitschaft. Sie empfindet andere Personen wichtiger als sich selbst. Dahinter steckt der Wunsch, bei allen beliebt zu sein. Beispielsweise sagt die Person „Ich muss dazugehören“ oder „Ich muss beliebt sein“.

Unabhängigkeit: Bei diesem Wert steht der Wunsch nach Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstbestimmung im Vordergrund. Das Delegieren von Aufgaben an andere Personen wird vermieden. Ebenfalls gemieden wird die Unterstützung durch andere. Diese Person muss alles selbst erledigen, um sich gut zu fühlen. Typische Aussagen sind „Ich muss unabhängig sein“ oder „Ich muss alles selbst bestimmen“.

Kontrolle: Hier möchte die Person alles selbst unter Kontrolle haben. Fehler werden nicht toleriert, Aufgaben nicht delegiert. Bei Störungen ist die Person ungeduldig und gereizt. Zudem fällt die Entspannung schwer, da das Loslassen kaum oder gar nicht möglich ist. Hinter all dem steht der Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle. Eine mögliche Ursache ein fehlende Vertrauen in andere Menschen. Eine charakteristische Aussage ist „Ich muss alles unter Kontrolle haben“.

Schnelligkeit: In unserer modernen, schnelllebigen Leistungsgesellschaft ist für viele Menschen ein hohes Tempo wichtig. Sie arbeiten so schnell wie möglich. Manche versuchen, ihre Kollegen und Mitmenschen in Sachen Arbeitstempo zu übertrumpfen. Sie denken, dass sie schnell und unaufhaltbar sein müssen. Die Nachteile sind jedoch Ungeduld, Hektik und innere Unruhe. Wenn dann noch Multitasking hinzukommt, geht der Überblick über die Aufgaben schnell verloren. Ein typischer Satz ist „Ich muss schnell sein“.

Abhilfe bei stressenden Werten

Wie du siehst, deutet die Formulierung „Ich muss …“ auf stressende Werte hin. Versuche doch einmal, die Sätze anders zu formulieren. Verwende Sätze mit „Ich will …“ oder „Ich möchte …“. Dadurch werden die Werte nicht mehr zum Zwang erhoben. Damit sinkt der Druck, den du dir selber machst. Der Stress wird weniger und die Gelassenheit nimmt zu.

Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Wenn du jedoch ein Bewusstsein für deine Sprache entwickelst und bewusst auf Formulieren mit „Ich muss …“ verzichtest, hast du schon viel gewonnen.

Stress von innen und außen

Stress von innen und außen

Stress kann sowohl von innen als auch von außen kommen. Von außen kommt er, wenn beispielsweise die Anforderungen zu hoch sind. Auch zu viele Aufgaben und eine mangelhafte Organisation können für Stress sorgen. Eine schlechte Kommunikation ist ebenfalls ein Beispiel für Stress von außen.

Von innen kommt der Stress, wenn Denkmuster oder Werte vorliegen, die den Stress verstärken. Hier gilt es, den eigenen Anteil am Stress zu erkennen und sich damit auseinanderzusetzen. Wenn du deine Stressverstärker erkennst, kannst du gezielt an ihnen arbeiten, um sie zu beseitigen.

Tipp: Selbstreflexion

Um zu erkennen, ob bei dir Stress verstärkende Denkmuster oder Werte vorliegen, stelle dir die folgenden Fragen:

Selbstreflexion
  • Womit setze ich mich selbst unter Stress?
  • Womit setzen mich andere Personen unter Stress?
  • Woher kommt der Stress? Von außen oder von innen?
  • Kann ich eines der Stress verstärkenden Denkmuster oder Werte bei mir beobachten? Wenn ja, welches? Wie kann ich meine Einstellung dazu verbessern, um gelassener zu werden?
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